Sprachen

Für die Fremdsprachen knüpfen wir ganz bewusst an die so wertvollen und noch wirksamen Nachahmungskräfte an, mit denen das Kind bisher auch seine eigene Muttersprache erlernt hat: Schon in der ersten Klasse werden daher Englisch und Französisch behutsam eingeführt. Fremde Laute ergeben ein buntes und mit der Zeit auch ein vertrautes Bild, das zunächst – wie in der Muttersprache – noch keiner Erklärung bedarf.
Es wird also noch ganz bewusst und entschieden darauf verzichtet, mit Regeln, Erklärungen oder gar Übersetzungen in die natürlich-wirksamen, nachahmenden Spracherwerbskräfte hinein zu ‚stören’. Mit sprachlichen Entsprechungen zum eigenen Körper, zur eigenen Körperbewegung, zur unmittelbaren Umgebung (z. B. Klassenzimmer) werden Sprüche, Gedichte, Reime und Lieder erlernt. In altersgemäßen Spielen und gespielten Situationen werden Sätze, Beschreibungen, Aufforderungen und Erwiderungen eingeübt und zur Geläufigkeit gebracht, bis spätestens ab der 4. Klasse allmählich – und durch die Mittelstufe (5.-8. Klasse) hindurch – mit Schreiben, Lesen, Grammatik- und Wortschatzarbeit zusätzlich nun auch der bewusstere, systematische Spracherwerb auf der bislang erlangten Vertrautheit weiter aufbaut.
Wir versuchen durch eine sinnvolle Aufteilung der Gruppen eine größtmögliche Förderung des einzelnen Schülers zu erreichen. Als mögliche Alternative zu Französisch (als zweite Fremdsprache) erscheint nun auch Geometrisch-Technisches Zeichnen (GTZ) auf unserem Lehrplan.
In der Oberstufe findet sich der ganzheitliche und zuallererst am heranwachsenden Menschen orientierte Ansatz der Pädagogik Rudolf Steiners darin wieder, dass – soweit möglich und sinnvoll – auf Schulbücher mit ‚vorgefertigter’ Sprache und portionierten Lektionen verzichtet wird. Stattdessen werden – jedenfalls in den Kursen mittleren und fortgeschrittenen Niveaus – nur ‚ganze’ Einheiten (Romane, Kurzgeschichten, Presseartikel, Lyrik etc.) in der unveränderten Originalsprache gelesen und behandelt.
Beim Fremdsprachenerwerb an der Waldorfschule geht es uns neben der praktischen Anwendung und der mündlichen wie schriftlichen Kommunikation von Inhalten auch um den Menschen als globalen Bürger und Zeitgenossen, der Erfahrungen damit macht, wie andere Völker die Welt denkend, fühlend und handelnd begreifen, erleben und gestalten.

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