Gartenbau

In der Waldorfschule gehört die Umwelterziehung bereits seit 1919, als die erste Waldorfschule gegründet wurde, zum Lehrplan. Den Entwicklungsphasen des Kindes entsprechend zieht sich so ein „grüner Faden“ vom Kindergarten bis in die Oberstufe.
Im Kindergarten wird in gemüthafter Weise der Jahreslauf erlebt. Im liebevollen Ausgestalten des Jahreszeitentisches und im Freispiel wird im Außengelände die gärtnerisch-pflegende Tätigkeit des Erwachsenen spielerisch nachgeahmt. Diese eher gemüthafte Betrachtung klingt in der 1. und 2. Klasse noch nach. Es werden zu allen Jahreszeiten Ausflüge in unsere waldige Umgebung und in den nahegelegenen Schulgarten gemacht.
Erst in der 3. Klasse, in der Feldbauepoche, wird die Arbeit des Bauern nachvollzogen. Wir säen im Schulgarten unseren Winterroggen aus, begleiten ihn über das Keimen, Bestocken, Schossen, Blühen und Reifen bis hin zur Ernte. Wir dreschen unser Korn, mahlen es zu Mehl und backen daraus in unserem Lehmofen mit jedem Kind ein kleines Brot. Außerdem werden noch die im Frühjahr gelegten Kartoffeln als reiche Ernte ausgebuddelt.
In der 6., 7. und 8. Klasse ist dann die praktische Tätigkeit im Schulgarten mit einer Doppelstunde ganzjährig auf dem Stundenplan. Hier werden, dem Jahreslauf entsprechend, alle Arbeiten besprochen und ausgeführt, die Bodenbearbeitung, Saatbeetvorbereitung und Aussaat, alle Pflegearbeiten, bis hin zur Ernte. Aber auch die Verwertung gehört dazu, ob nun roh gegessen, gekocht, getrocknet oder gelagert für die Winterzeit, auch hier schließt sich der Jahreslauf.
In der vierjährigen Fruchtfolge, die wir in unserem 4000 m² großen Schulgarten einhalten, geht es natürlich darum, dem Boden nur soviel zu entziehen, wie wir ihm auf natürliche Weise (Kompostwirtschaft) wieder zuführen können. Es werden auch keine chemischen Düngemittel oder gar Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Hier nun ein paar Aufgabengebiete: Jungpflanzenanzucht, Gemüseanbau, Kräuteranbau, Zierpflanzenanbau (einjährige, zweijährige, Stauden, Zwiebelgewächse, Gehölze), Obstanbau (Schnitt, Ernte, Verarbeitung, eigene Mosterei), Kranz- und Blumenbinderei. Er ergeben sich neben der gartenbaulichen Tätigkeit noch eine Vielfalt von Naturerlebnissen. Durch unsere Waldrandlage halten sich viele Vogelarten bei uns auf, deren Brutgeschäft wir jedes Jahr wieder beobachten können. Unseren vier bis sechs Bienenvölkern und einer großen Zahl von Insekten versuchen wir optimale Bedingungen zu schaffen.
Als wichtige Ergänzung macht die 7. Klasse ein zweiwöchiges Forstpraktikum als Klassenreise. In der 9. Klasse geht die Klassenreise auf einen biologisch-dynamischen Bauernhof in Schleswig-Holstein. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit zwei Wochen in einer Hofgemeinschaft zu leben und mitzuarbeiten. In allen Bereichen, Rinder-, Schweine-, Geflügelzucht, Milchverarbeitung, Getreide- und Hackfruchtanbau, Feldgemüse, Jungpflanzen und Feingemüse im Gewächshaus, Ernte und Vermarktung, überall können sie große Zusammenhänge miterleben. Von den Mitarbeitern des Hofes werden ergänzende Vorträge gehalten.
Auch theoretisch zieht sich der „grüne Faden“ durch die Schulzeit, denn ab der 5. Klasse wird die Tier- und Pflanzenkunde in Epochen unterrichtet. In der 11. Klasse findet oft eine ökologische Forschungsarbeit statt. In Vorpommern auf dem Darß wird die Sukzession von der Sandausspülung bis zum Buchenwald untersucht und ausgewertet. Die 12. Klasse begibt sich in ihrer Botanikepoche noch einmal in den Schulgarten, um die Pflanzenfamilien zu zeichnen und zu studieren. So schließt sich nach 12 Jahren Schulzeit der Bogen von praktischer und theoretischer Arbeit mit und in der Natur.

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